esemes
17 Mär
So richtig zur Krone der Schöpfung wurde die Menschheit wegen dem Daumen.
Klingt seltsam, ist aber so. Wäre der Daumen nicht beweglich, könnten wir kein Werkzeug (und keine Waffen) halten, uns die Hand nicht reichen (und damit zeigen, dass wir keine Waffe halten) und hätten als Babies nichts, das uns nuckelnd beruhigt (Fernsehen und stark gesüßte Tees wurde erst viel später erfunden).
Ein paar Jahrtausende tat sich dann daumenseitig nicht viel – bis aus einem eher zufällig in die GSM-Spezifikation aufgenommen Feature, mit dem die Betreiber von Mobilfunknetzen die überschüssige Bandbreite zu Apothekerpreisen abfackeln konnten, ein Massenphänomen geworden war: Ohne Daumen hätte der Short Message Service nicht reüssiert. Virtuos mit dem Daumen getippte und vom Texterkenner T9 in Umgangssprache transferierte Kurzbotschaften waren das Schriftmedium des endenden 20. Jahrhunderts. Soweit ging der Hype, dass Mediziner oder zumindest die sensationslustige Presse schon vor einem karpaltunnelähnlichen Syndrom, dem SMS-Daumen, warnten. Davor bewahrten unter anderem die vielen Gratis-SMS-Dienste, die das Medium ins Web hievten.
Facebook und Twitter als Erben der SMS-Ära zu senden ist sicher nicht unberechtigt. Twitter leitet selbst sein 140-Zeichen-Limit für Statusupdates von der SMS-Länge ab, und auch für Facebook-Postings lassen sich die meisten nicht zu viel Geschwafel hinreißen. Dass längere Texte ein Relikt sind, das nur noch in den Regalen der Buchhandlungen für die paar noch verbliebenen Leser überlebt, ist dann aber doch übertrieben.
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